Comedy
![Hagen Rether / Foto: Daniel Wannewitz [WPHOTO.DE] Hagen Rether / Foto: Daniel Wannewitz [WPHOTO.DE]](/images/frontend/2010_10/300__rether_bremen.jpg)
Die Facetten sind einfach zu vielfältig um den Abend mit einem Wort beschreiben zu können. Der Einfachheit halber picken wir uns den Begriff "politisches Kabarett" heraus. Etwas, dass normalerweise fern der großen Hallen zelebriert wird. Aber unser Gastgaber an diesem Abend - Hagen Rether - gehört zweifelsohne zu den Großen in diesem Genre. Auszeichnungen wie der Deutsche Kabarettpreis beweisen dies eindrucksvoll.
Aber der Reihe nach: Donnerstag, 28.10.2010 - über Bremen liegt gerade wieder das typische Schmuddelwetter. Der Nieselregen bildet die Grundlage für einen richigen Herbsttag. Wir retten uns ins Pier 2 und staunen: würden viele Hagen Rether eher als Underdog erwarten und demzufolge auch nur mäßig gefüllte Hallen der irrt gewaltig. Das Pier 2 ist nahezu auf der gesamten, bestuhlten Fläche und dem Oberrang gefüllt. Hier und da kleinere Lücken - aber unser Texter findet einen Platz weit oben mit guter Sicht auf den Protagonisten. Auf der Bühne schlichte Eleganz. Typisch bei Rether: der schwarze Flügel, ein paar Bananen und ausreichend Wasser.
Es bleiben noch knappe 20min bis zur Show. Kurze Abstimmung mit dem Fotografen um das Material für den Artikel zu besprechen und ein kleiner Plausch mit dem Veranstalterteam. Einige zuschauer wurden schon ungeduldig und forderten den Akteur mit Applaus auf die Bühne. Das Licht wird gedimmt und es geht los. Hagen Rether betritt die Bühne - im Anzug, das Haar zum Pferdeschwanz gebunden und mit etwas mehr "Bart" als wir es in Erinnerung hatten. Egal - sofort schwappt die Sympathie auf die Besucher über. Ein kurzer Talk in dem der Gast ermutigt wird ruhig zwischendurch zu
Klatschen (Rether: "Ich mach dann einfach kurz eine Pause und steige an dieser Stelle wieder ein") und schon erklingen die ersten Töne des Flügels.
Die Themen sind vielfältig und aus dem Leben gegriffen - zumindest bei den meisten davon findet sich der Großteil der Gäste sofort wieder. Das merkt man sofort am heftigen Applaus. Wie bei Betriebsversammlungen: wenn der Betriebsrat mal wieder die schlechten Zustände dem Arbeitgeber gegenüber anprangert. Euphorie eben. Mit seiner meist zynischen und ironischen Art prangert Rether selbst unmissverständlich Dinge wie das Bildungssystem bzw. dessen Verbesserungsfähigkeit, Wahrheit in der Politik oder die Haltung der Kirche schonungslos an. Auch die Wallstreet oder der Fleischkonsum, der unseren Planeten schädigt, werden angesprochen. Alles Dinge, die schon seit Jahren diskutiert werden aber es auch weiter müssen. Gerade bei letzterem Punkt merkt man aber: der Großteil applaudiert zwar verhalten - die wenigsten haben aber verstanden worum es geht und was ihnen Hagen Rether versucht mit auf den Weg zu geben. Vermutlich liegt dort ab morgen wieder zu Hauf das Schnitzel in der Pfanne.
Wir fanden den Abend wirklich klasse. Themen, die eigentlich sauer aufstoßen und oft auch Wut, Unverständnis und pures Kopfschütteln auslösen auf eine so zynisch-interessante Art anzuprangern ist in unseren Augen eine wahre Kunst. Man muss die Ironie nur zu deuten wissen - es ist schon etwas anspruchsvoller als übliche Comedy.
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